„Wir sind schon auf einem guten Weg!“

Ein wissenschaftlicher Vergleich brachte den Einstieg in eine ungewöhnlich interessante Diskussion zum Thema „Integrationsarbeit in Beckum“. Dr. Matthias Kortmann vom Niederlande-Zentrum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster stellte in seinem Vortrag die zum Teil deutlichen Unterschiede der Migrantenorganisationen in Deutschland und den Niederlanden dar. Während sich die türkischen Migranten in Deutschland eher in Religionsgemeinschaften zusammenfinden, organisieren sie sich in den Niederlanden eher als sozial-gesellschaftliche Einrichtung, mit einer deutlich geringeren religiösen Ausrichtung. Dafür wird eher die ethnische Zusammengehörigkeit in den Vordergrund gestellt. Hauptgründe sind die unterschiedliche Anerkennung der Organisationsformen durch den Staat.

Beim Integrationsziel herrscht in Deutschland – zumindest mittlerweile – eher eine Verknüpfung von Aufnahme- und Herkunftskultur vor. Dabei sollen sich beide Seiten mit Respekt, Wertschätzung und Anerkennung begegnen. In den Niederlanden geschieht die mögliche Integration eher aus dem eigenen Kreis heraus, mit einer größeren Selbstverantwortung, bei Wahrung eigener kultureller Eigenheiten. Es herrscht eher eine friedliche Co-Existenz oder Unvereinbarkeit vor, während sich in Deutschland eine Verknüpfung der christlich-abendländischen und der islamischen Kultur abzeichnet. Dr. Kortmann stellte dabei auch die derzeit besonders positive Grundstimmung in Deutschland zum Thema Integration heraus während in den Niederlanden die rechtspopulistischen Gruppierungen mehr zu einer Vergiftung der Zusammenarbeit beitragen.
Diese Ergebnisse lösten bei den Besuchern der Veranstaltung, die vom SPD-Ortsverein Beckum organisiert wurde, eine lebhafte Diskussion über den richtigen Weg der Integrationsarbeit aus. Einig war man sich darüber, dass sich in den letzten Jahren bundespolitisch, aber auch vor Ort in Beckum, eine Menge getan hat. Das verdeutlichte dann auch Herbert Essmeiner, Fachbereichsleiter Jugend und Soziales der Stadt Beckum. Er hob dabei insbesondere die letzten Jahre hervor, in denen man mit Hilfe eines Beratungsinstitutes und Landesfördermitteln einen intensiven Dialog mit allen Beteiligten initiiert hatte. Dabei sind schon einige Erfolge zu verzeichnen: Qualifizierung von Integrationslotsen, verstärkter herkunftssprachlicher Unterricht, Internetseminare, Bildungskonferenzen, Vernetzung der Integrationsarbeit in den Tageseinrichtungen, bessere Öffentlichkeitsarbeit und eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt Ahlen, von der man in einigen Bereichen auch noch lernen kann. Heinz Jürgen Meyer, Fachdienst Soziale Dienste der Stadt, ergänzte die Ausführungen in dem er auf die schon rd. 30-jährige Integrationsarbeit in Beckum hinwies. Dabei unterstützt die Stadt Beckum einige Migrantenorganisationen mit kleineren Zuschüssen z.B. für Miete und Unterhalt der Treffpunkte. Auch begrüßte er ausdrücklich das gerade ganz neue Zentrum des Arabisch-Deutschen Vereins. Einen Überblick über die Arbeiten des seit Februar 2010 eingerichteten Integrationsrates der Stadt Beckum gab die stellv. Vorsitzende Ayse Tüney Gülmez. Sie erinnerte an die ersten Anlaufschwierigkeiten des Gremiums, an erste Kennenlernveranstaltungen, aber dann auch an sehr produktive und interessante Fortbildungsseminare der Mitglieder. Für den September 2011 ist ein internationales Fest unter dem Motto „Hand in Hand“ in Vorbereitung, auf dem sich möglichst viele Gruppierungen der Öffentlichkeit präsentieren sollen.
In der anschließenden Diskussion, die der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Dr. Rudolf Grothues, moderierte, wurde immer wieder die Frage nach dem Integrationsziel gestellt. Alle Beteiligten brachten dabei aber zum Ausdruck, dass es sich um einen Prozess handelt, dessen Ende derzeit nicht abzusehen ist. Wichtig sind dabei die Etappen, die man erreicht hat, und da gilt es doch einige Erfolge nicht aus den Augen zu verlieren. „Wir sind schon auf einem guten Weg, aber zu Ende ist der Weg noch lange nicht“, so Grothues zum Schluss des Abends. Sein Dank galt den Referenten und den engagierten Besuchern. Dabei stellte er weitere Diskussionen zu dem wichtigen Thema in Aussicht.

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